Halbvolles oder -leeres Glas


aus dem Film "Grundeinkommen" von Daniel Häni und Enno Schmidt

Manche Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens schlagen eine Finanzierung durch eine deutlich erhöhte Konsumsteuer bei gleichzeitiger Abschaffung sämtlicher anderer Steuern vor, allen voran dm-Gründer Götz W. Werner. Manchem wird ein Schreck in die Glieder fahren, bei dem Gedanken an eine Mehrwertsteuer von vielleicht 50%. Dann wird erst gar nicht mehr weiter gedacht und die Idee als unsinnige Utopie verworfen. Dabei sind aber ohnehin in den Produktpreisen, die wir täglich zahlen, ALLE Kosten und Steuern, auch der Zulieferer, der Mitarbeiter und des Chefs einkalkuliert. Nur die Mehrwertsteuer, in der Schweiz 7,6% und in Deutschland bis 19%, sind auf dem Kassenbeleg ausgedruckt. Daniel Häni und Enno Schmidt machen in ihrem Film "Grundeinkommen" die versteckten Steuern an einem in der Schweiz servierten Latte Macchiato sichtbar. 1/4 der Kosten sind Infrastrukturkosten wie Gebäude, Maschinen, Mobiliar, einen Teil gehen an den Staat; 1/4 sind Warenkosten wie Milch, Kaffee, Zucker; der größte Anteil sind Lohnkosten, in denen Einkommensteuer und Lohnnebenkosten enthalten sind; oben drauf kommt die Mehrwertsteuer. Sortiert man nun die Steueranteile, wird deutlich, dass ohnehin die Hälfte des Preises auf Steuern entfallen. Götz W. Werner äußert sich provokativ: „Ich trage keine Steuern. Das ist auch in die Preise der Produkte in den dm-Filialen einkalkuliert“, etwas leiser schiebt er nach: „ Ich zahle selbstverständlich Steuern, aber ich trage sie nicht, die Konsumenten tragen sie.“